Home Interviews Home is wherever I´m with you

Home is wherever I´m with you

written by Queen Mom 1. Juni 2013

… schreibt Masa Pozar, die Lebensgefährtin des slowenischen Handballstars Vid Kavticnik in einem ihrer Blogbeiträge und spricht damit wahrscheinlich vielen Spielerfrauen aus der Seele. Denn die meisten sind mit Sicherheit schon mehr als nur einmal umgezogen, in ein anderes Land, eine fremde Stadt, oft kurzfristig und anders als geplant – das bringt das Leben an der Seite eines Wanderarbeiters so mit sich.

Im Sommer 2013 haben die beiden französischen Handballspieler Daniel Narcisse und Thierry Omeyer den Handballrekordmeister THW Kiel verlassen und sind in ihr Heimatland Frankreich zurückgekehrt. Während Daniel Narcisse zu Paris Saint-Germain HB wechselte, zog es Thierry Omeyer zurück nach Montpellier AHB wo er schon vor seiner Zeit beim THW unter Vertrag stand. Die beiden Ausnahmesportler haben viel gemeinsam, jede Menge nationaler wie internationaler Titel, olympisches Gold, beide wurden schon mal zum Welthandballer gekürt und tragen unter anderem den Titel des Ritters der französischen Ehrenlegion. Darüber hinaus verbindet sie aber auch eine langjährige Freundschaft und das liegt mit Sicherheit auch an der engen Verbundenheit ihrer beiden Ehefrauen. QueensUnited hat mit Emmanuelle Narcisse und Laurence Omeyer über Abschiede, Umzüge, Heimat und Spielerfrauenklischees gesprochen.

QU im Interview mit Emma und Laurence

QU im Interview mit Emma und Laurence (Foto: fotograf-kiel.de)

 

TEIL 1: Abschied & Heimat

 

QU: Ihr begleitet Eure Männer nun schon ein paar Jahre und seid beide nicht zum ersten Mal umgezogen. War dieser Umzug gefühlsmäßig anders?

Emma: Ich glaube, das erleben wir unterschiedlich. Ich habe in meinem ganzen Leben in kleinen Städten gewohnt. Kenne die französische Hauptstadt kaum, so wird sich Paris am Anfang sicherlich wie Ausland anfühlen.
Laurence: Bei mir ist es etwas anderes. Wir ziehen zwar in eine Stadt, wo wir bereits gewohnt haben (Montpellier Anm. d. Red.), trotzdem hat sich in den letzten Jahren dort eine Menge verändert.

QU: Der Abschied fiel Euch sichtlich nicht leicht…

Emma: Kiel zu verlassen war sehr schwer. Unsere Zeit in Deutschland, in Kiel ist vorbei, es fühlt sich so endgültig an… Als wir 2009 aus Chambéry nach Kiel zogen, war das anders, ich war nicht so traurig…
Laurence:
Für Emma war der Umzug damals leichter, sie ist in Chambéry geboren, ihre Familie lebt dort, es ist ihre Heimat – sie wusste, dass sie wieder kommen wird.

“Was wir in Kiel erlebt haben, werden wir auf diese Art nirgendwo mehr erleben”

Emma: Es war eine ganz besondere Station. Wir hatten tolle Jahre hier und die Titel gehören sicherlich dazu, aber es ist das Gesamtgefühl. Kiel hat die beste Halle, die lautesten Fans…
Laurence: Da kann ich nur zustimmen und auch der Verein war uns immer eine große Hilfe. Was wir in Kiel erlebt haben, werden wir auf diese Art nirgendwo mehr erleben. Wenn man sieben Jahre nichts gewinnt, kann man sich wahrscheinlich anders auf die Folgestation freuen und hoffen, dass es vielleicht im nächsten Verein klappt. Aber so war es in Kiel für unsere Männer nicht (lacht). Die Zeit in Kiel war perfekt.

Familie Narcisse

Familie Narcisse bei ihrem Abschied in Kiel im Sommer 2013 (Foto: fotograf-kiel.de)

QU: Ein trauriger Abschied ist aber ein Zeichen dafür, dass die Zeit davor schön und emotional war. Man nimmt viele tolle Erinnerungen mit.

Emma: Auf jeden Fall und bei all der Traurigkeit müssen wir auch sagen, dass wir sehr stolz sind, das miterlebt haben zu dürfen.
Laurence: Wir werden bestimmt auch wieder nach Kiel kommen aber dann sind wir zu besuch, wir sind dann Gäste – das ist etwas total anderes. Jetzt sind wir kein Teil dieser Handballfamilie mehr – jetzt ist da ein neues Gesicht.

“Wir sind jetzt ein Teil eines anderen Kapitels”

 

Familie Omeyer
Laurence mit Tochter Manon und Sohn Loris bei ihrem Abschied aus Kiel im Sommer 2013 (Foto: fotograf-kiel.de)

QU: Eure Geschichte geht nun in Frankreich weiter, Eurem Heimatland. Kann man sagen, dass Ihr nach Hause gekommen seid?

Laurence: Ich will nicht sagen, dass Kiel unsere Heimat war, aber als wir dort gelebt haben, hat es sich so angefühlt. Mein Haus war in Melsdorf, das war mein Zuhause. Jetzt sind wir zurück in Montpellier, wir haben zwar schon mal hier gelebt aber ursprünglich kommen wir nicht von hier.

“Heimat ist für mich da wo unsere Familie, unsere alten Freunde und Bekannten leben”

 

QU: Also seid Ihr ein wenig fremd in Eurem eigenen Land…

Laurence: Wir kommen nach sieben Jahren aus dem Ausland zurück, da wir Franzosen sind, geht man davon aus, dass wir uns leicht zurechtfinden. Ich kenne die Stadt schon, das ist ein großer Vorteil aber wie gesagt, wir waren eine lange Zeit weg, es hat sich viel verändert sogar der Verkehr ist anders (lacht).
Emma: In einer Großstadt wie Paris muss man Vieles neu und vor allem anders organisieren. Wir haben zum Glück Unterstützung – eine Dame vom Verein hilft uns mit den Formalitäten zum Beispiel für die Schule von unserem Sohn Noa. Es ist unser Heimatland, wir sprechen die Sprache aber es ist trotzdem nicht die Heimat aus der wir ursprünglich kommen. Laurence: Jetzt heißt es: Neuanfang.

“Für uns beide und unsere Familien beginnt ein neues Leben…”

 

Weiter geht es demnächst in unserem 2. Teil des Interviews….

 
Wir bedanken uns bei den Beiden für ein sehr angenehmes und emotionales Gespräch. Es wurde geplaudert, geplänkelt und gelacht und stellenweise die ein oder andere Träne verdrückt. Wir wünschen diesen beiden bezaubernden Frauen von Herzen alles Gute und einen tollen Neustart in Frankreich!

Fotos: fotograf-kiel.de, QueensUnited

Vielleicht gefällt Euch auch folgendes: