Home Allgemein #QUWomen: „Wir haben es nicht vergessen, aber wir denken auch nicht täglich daran“

#QUWomen: „Wir haben es nicht vergessen, aber wir denken auch nicht täglich daran“

written by Queen Mom 15. Dezember 2015

Für jeden Schreiberling einers Blogs ein wohlbekanntes Phänomen, insbesondere gen Ende eines Jahres : Welche Geschichten, welche Schicksale, welche Interviews haben einen besonders berührt, gefreut oder zum Nachdenken angeregt. In der Vergangenheit haben wir schon über 50 Interviews mit starken Frauen geführt, was die Auswahl nicht einfacher macht.

Doch eine wunderbare Person, über die wir immer wieder “gestolpert” sind und deren Leidensweg uns bewegt hat, war der von Charlotte Forslund-Myrhol, die sich mit der Krebskrankheit ihres Mannes und den Folgen eben dieser auseinandersetzen musste. Sie und ihr Ehemann Bjarte haben uns mittlerweile bereits zweimal Einblick in ihr Leben gegeben. Vielleicht gibt es ja bald ein drittes Mal?!?  Auf jedenfalls gehört dieses Interview und Teil 1 aus dem Jahr 2011 definitiv zu den Herzensgeschichten der QueensUnited-Redaktion.

„Wir haben es nicht vergessen, aber wir denken auch nicht täglich daran“

Im Sommer 2011 wurde bei dem norwegischen Handballprofi Bjarte Myrhol Hodenkrebs diagnostiziert. Ein schwerer Schlag für den damals 29jährigen Kreisläufer der Rhein-Neckar Löwen und auch eine Schockdiagnose für das junge Paar mit Kinderwunsch. QueensUnited hatten damals ein sehr emotionales und bewegendes Interview mit seiner Freundin und heutige Ehefrau Charlotte geführt. Charlottes und Bjartes Geschichte hat uns sehr berührt und wir sind über die Zeit immer in Kontakt geblieben. Daher freut es uns besonders (und wir sind auch ein bisschen stolz) dass Charlotte uns erneut ganz offen und ehrlich aus ihrem Leben erzählt…. Gänsehaut-Feeling garantiert….

Auch nach seiner krankheitsbedingten Auszeit vor drei Jahren, ist Bjarte nach wie vor einer der besten Kreisläufer der deutschen Bundesliga. Wie präsent ist die Krankheit in Eurem Alltag?
Wir haben es nicht vergessen, aber wir denken auch nicht täglich daran. Trotzdem sitzt die Angst (mehr bei mir als bei Bjarte) tief, dass der Krebs wieder kommt. Das Gefühl wird mich wahrscheinlich immer begleiten.

„One big happy Family, ein Traumhaus und viele Kinder“ – das waren Eure Träume und Wünsche bei unserem letzten Interview im Jahr 2011. Wie geht es Euch heute?
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass die Zeit jetzt meine Schönste ist und ich sehr glücklich bin. Man wartet fast nur darauf, dass etwas Negatives passiert… aber so darf man natürlich nicht denken.

Im Oktober 2012 ist Euer Sohn Rasmus auf die Welt gekommen. Ihr seid Eurem Traum also nun ein ganz großes Stück näher gekommen. Konntest Du Dir vorstellen, dass es mit der Schwangerschaft nach Bjartes Chemotherapie so schnell klappen würde?
Wir haben vor Bjartes Erkrankung schon mehrere Jahre vergeblich versucht ein Baby zu bekommen und waren bereits bei einer Kinderwunsch-Klink in Behandlung. Das war ein langer und komplizierter Prozess mit viel Wartezeit. Nach Bjartes Krebstherapie war ich so müde und brauchte Zeit alles zu verarbeiten und genau dann wurde ich schwanger. Ich war so glücklich und hatte doch gleichzeitig Angst das Baby wieder zu verlieren. Aber da war auch ein Bauchgefühl, dass es jetzt klappen sollte!

Wie standen die Chancen auf ein Baby nach der Krebserkrankung? Was haben die Ärzte Euch gesagt?
Als Bjarte krank geworden ist, wurde wegen der bevorstehenden Chemo sofort Sperma eingefroren, weil es nach der Behandlung mehrere Jahre dauert, bis alles im Körper wieder “normal” ist. Am Anfang der Chemotherapie sagten uns die Ärzte, dass die Chance auf ein Baby sehr klein wäre. Diesen Moment werde ich nie vergessen, es war das erste Mal in dieser Zeit, dass Bjarte geweint hat….

Rasmus_Bjarte

 

Söhnchen Rasmus kam im Oktober 2012 auf die Welt

 

Hast Du das Gefühl, dass Ihr nach Bjartes Erkrankung das Leben anders und neu genießt und wenn ja, wie äußert sich das?
Ja, wir genießen das Leben mehr und passen auf, dass wir uns nicht über Kleinigkeiten streiten. Wir gehen nie im Streit auseinander, das ist uns ganz wichtig! Wir sind enger zusammen gerückt und fühlen uns noch mehr miteinander verbunden. Ich denke, das ist auch normal nach so einer schweren Zeit mit so viel Negativem.

Stichwort Zukunftspläne, Bjartes Vertrag bei den Rhein-Neckar-Löwen läuft noch bis zum Sommer 2015. Wir haben gehört, dass es Euch dann wieder Richtung Norden zieht?
Ja, wir ziehen nach Dänemark. So sind wir wieder näher bei unseren Familien. Es war immer ein Traum von uns, dass Bjarte lange in der deutschen Bundesliga spielen kann und wir dann nach Dänemark gehen. Für die Zeit in Deutschland, dass Bjarte hier so lange spielen konnte, sind wir sehr dankbar, das ist keine Selbstverständlichkeit.

Wie Du selbst sagst, sind mittlerweile schon ein paar Jahre Wohnzeit in Deutschland zusammen gekommen. Was wirst Du besonders vermissen und auf was freust Du Dich?
Ich werde viel vermissen aber einiges auch nicht ;-). Heidelberg wird mir fehlen, es ist eine so wunderschöne Stadt! Ich freue mich, später unseren Kindern von dieser Zeit erzählen zu können und wir werden bestimmt auch mal Ferien in Deutschland machen. Aber die Vorfreude auf Dänemark ist groß, als Kind habe ich viel Zeit dort verbracht. Ich liebe das Land und die dänische Mentalität.

Ihr habt in diesen Sommer geheiratet. Eine Hochzeit hat natürlich immer eine besondere Bedeutung aber war der Zeitpunkt jetzt bestimmt gewählt und hatte das vielleicht eine besondere Symbolik für Euch?
Wir haben nach 10 Jahren geheiratet und das war für uns ein sehr großes Erlebnis :-). Wir hatten ein wunderbares Wochenende in Dänemark mit unserer Familie und alles war relaxed und entspannt. Wir haben Dänemark als Hochzeitsort gewählt weil wir das Land und die Mentalität dort lieben :-).

One big happy family… Rasmus ist nun bald zwei Jahre alt. Soll er bald möglichst noch Geschwister bekommen?
Ja, in wenigen Wochen :-)) und es ist ein Mädchen! Ein Traum…
no more words needed…

 

WEITER zu unserem Interview aus dem Jahr 2011: Diagnose Krebs: “Ich gab mir Mühe, stark zu sein, weil ich fühlte, dass das meine Pflicht war.”

Fotos: ©Charlotte Forslund-Myrhol / privat

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